„Einen Fehler machen und sich nicht bessern: Das erst heisst fehlen.“ (Konfuzius)

Fehlerkultur 4.0 – Neuinterpretation eines stark polarisierenden agilen Konzepts

Insbesondere im Kontext Agilität kommt der Thematik Fehlerkultur und Fehlertoleranz eine neue Bedeutung zu. Offenbar ist der Umgang mit Fehlern stark polarisierend. Und der Verweis auf die Fehlerkultur ist eines der meistgenannten Argumente, wenn Projekte die Ziele verfehlen. Mit dem Blogbeitrag zeige ich auf, dass Fehlertoleranz stark mit dem Konzept der Resilienz in Zusammenhang stehen müsste: Möglichst schnell in den ursprünglichen Gleichgewichts-Zustand zurückkehren mit der Anwendung des Grundsatzes «Fail faster».

Über die Ausgangslage herrscht Einigkeit: Im Arbeitsleben gilt das Paradigma «Wer nichts macht, macht nichts falsch». Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass bei Menschen im Arbeitsleben Fehler passieren. Fehler sind somit ein Faktum und es braucht sinnvollerweise eine Aussage zur Konkretisierung der Fehlerkultur in Unternehmen. In der aktuellen Management-Diskussion in Blogs ist insbesondere mit der stärkeren Betonung agiler Methoden eine Art Kult rund um Fehler entstanden: «Fail fast. Fail often.» heisst das vielzitierte Mantra aus dem Silicon Valley.

Welcher Nutzen entsteht aus einer Business-Perspektive betrachtet, wenn wir im Unternehmensalltag im Sinne von «Fail often» zu mehr Fehlern animieren? Ist die Glorifizierung von Fehlern in Unternehmen wirklich befruchtend zur Übernahme von mehr Verantwortung und Steigerung der Innovationsfähigkeit? Ich wage die Zweckmässigkeit der Einstellung «Fail fast. Fail often.» zu bestreiten. Niemand sollte in einem Unternehmen aktiv nach dem Begehen von Fehlern streben. Dies passiert jedoch, solange Fehler als unabhängige Variable zur Erklärung der Fehlerkultur gemäss der Gleichung «Fehlerkultur = Fehler passieren» oder gar «Fehlerkultur = Mache mehr Fehler» Verwendung findet.

Ich empfehle deshalb, als Kernaspekt einer Fehlerkultur 4.0 nicht den Fehler per se in den Brennpunkt zu stellen, sondern die Fähigkeit und den Willen, möglichst schnell zu handeln im Sinne der Resilienz. «Fail faster» und nicht «Fail fast» lautet die Devise.

Die beiden Konzepte sind in der untenstehenden Abbildung dargestellt.

 

Zur Umsetzung einer Fehlerkultur 4.0 im Arbeitsalltag geht die Befolgung der folgenden drei praktischen Prinzipien einher:

  • Zuhören als Kernfähigkeit stärken: Nur, wenn das «Zuhören» als Wertdimension im Unternehmen gepflegt wird, entwickelt sich auch die Fähigkeit, Fehler über Diskussionen zu erkennen. «Leise Hinweise» der Teamkollegen werden dadurch klarer als solche erkannt.

 

  • Eigenreflektion schulen: Die Beobachtung des eigenen Verhaltens, der eigenen Gedanken und Gefühle gibt uns einen Kompass zum Fehler-Management. Die «innere Stimme» schaltet die Ampeln meistens auf Rot, wenn die meisten Reporting-Kennzahlen noch auf Grün stehen.

 

  • Aktiver Ideenaustausch: Ideen und Vorgehensvorschläge möglichst konsequent mit Teammitgliedern zu spiegeln und den Diskurs cross-funktional über die Organisationseinheits-Grenzen zu suchen, sind die besten Mittel, um die eigene Betriebsblindheit zu relativieren.

 

Führt man diesen Gedanken konsequent zu Ende, dann dürfte Fehlertoleranz nur für jene Mitarbeitende gelten, die aktiv zuhören können, sich aktiv austauschen und sich bewusst Kritik aussetzen, indem sie Ideenaustausch pflegen. Keine Fehlertoleranz wäre dementsprechend gegenüber Entschuldigungen aufzubringen aufgrund unsorgfältigen Arbeitens, fehlender Kommunikationsbereitschaft oder der Verweigerung von Selbstreflektion.

Fehlertoleranz würde schliesslich auch nur für Fehler gelten, die nicht vermeidbar sind.

Eine so definierte Fehlerkultur 4.0 wäre zusammenfassend betrachtet der allseits erhoffte Impuls zur Erweiterung des eigenen Mindsets und wäre schnell erreichbar über die Durchsetzung des Grundsatzes «Fail faster».

 

Marco Brogini

Marco Brogini

Senior Partner

 marco.brogini@valion.ch

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