Die meisten Unternehmen tun sich schwer mit der digitalen Transformation. Die Messung des digitalen Quotienten von 150 internationalen Unternehmen (Catlin/Scanlan/Willmott 2015) zeigt, dass die wenigsten Unternehmen als «etablierte Anführer» bezeichnet werden können. Mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen liegt unter dem durchschnittlichen digitalen Quotienten.

Abbildung 1: Digital Leadership: Erfolgreiches Führen in Zeiten der Digital Economy, Thorsten Petry, S. 187

Karel Döner und Jürgen Meffert liefern in ihrem Beitrag im Buch «Digital Leadership» neun Fragen, die helfen können, unvermeidliche Barrieren zu durchbrechen und die Erfolgschancen einer digitalen Transformation zu erhöhen. Ich möchte Ihnen diese neun Fragen in geraffter Form präsentieren und damit den einen oder anderen Denkanstoss geben, um zu erkennen, wie Sie die digitale Transformation Ihres Unternehmens weiter vorantreiben können.

1. Wie genau kennen Sie die Bereiche, in denen sich ein Wandel vollzieht?

Um die digitale Transformation erfolgreich zu meistern, müssen Sie erkennen

  • welches die disruptiven Technologien und deren Impact für Ihre Branche sind,
  • welches die Kernelemente Ihrer Geschäftstätigkeit sind, die vom Wandel betroffen sind, und
  • welches die notwendigen Voraussetzungen für den Wandel sind.

2. Wissen Sie, auf welche Customer Journeys es ankommt?

Behalten Sie bei der digitalen Transformation Ihre Kunden im Fokus:

  • Stecken Sie die Customer Journey von Anfang bis Ende ab.
  • Identifizieren Sie entlang der Customer Journey alle Technologien, Prozesse sowie Fähigkeiten und Übergänge, die Voraussetzung für ein grossartiges Kundenerlebnis sind.
  • Stellen Sie sich die Frage, wie die Digitalisierung jeden einzelnen Kontaktpunkt besser, schneller und effizienter machen kann und sich alle Kontaktpunkte zu einem kohärenten Kundenerlebnis verbinden lassen.

3. Arbeiten Ihre Teams funktionsübergreifend?

Es reicht nicht, eine separate Enklave für digitale Aktivitäten zu schaffen, denn die digitale Transformation berührt eine Vielzahl von Funktionen in allen Bereichen Ihres Unternehmens. Schaffen Sie deshalb die notwendigen Voraussetzungen für funktionsübergreifende Teams:

  • Richten Sie Prozesse und Teams ein, die verschiedene Funktionen zusammenbringen.
  • Entwickeln Sie Anreize, um den Wissens- und Erfahrungsaustausch zu fördern.
  • Belohnen Sie nicht Massnahmen, die nur für eine bestimmte Funktion von Bedeutung sind. Schaffen Sie vielmehr Anreize, die die erfolgreiche Umsetzung einer durchgängigen Customer Journey oder eines vollständigen Produkts belohnen.

4. Verfügen Sie über einen disziplinierten «Test and Learn»-Ansatz?

«The proof of the pudding is in the eating»:

  • Arbeiten Sie ein Konzept aus und testen es immer und immer wieder am Kunden – solange, bis der Kunde genau das bekommt, was er will.
  • Finden Sie die Beweggründe Ihrer Kunden heraus, um Probleme angehen zu können und aufkommende Bedürfnisse schnell zu erkennen.

5. Sind Ihre Budgets an Fortschritte gebunden?

Viele Transformationsprojekte werden durch starre Budgetzyklen behindert. Überwinden Sie diese Barriere, indem Sie

  • Ihre Investitionsentscheide nicht von einem typischen drei- bis fünfjährigen Businessplan abhängig machen.
  • kurzfristige Meilensteine ins Kalkül ziehen und dabei nicht nur auf harte Umsatz- und Gewinnziele absetzen, sondern auch auf Kennzahlen wie die Zunahme der Neukundenanmeldungen oder die Kundenbindung eines bestimmten Produkts.

6. Verfügen Sie über Mechanismen, um Ideen kritisch zu hinterfragen?

Nicht jede Idee ist eine gute Idee:

  • Beugen Sie Ressourcenverschwendung durch schlechte oder schlecht durchdachte Ideen vor.
  • Setzen Sie Teams mit Experten ein, welche entwickelte Ideen kritisch hinterfragen, unbequeme Fragen stellen, Probleme schnell aufdecken und disruptive Geschäftsmöglichkeiten erkennen.

7. Besitzen Ihre Mitarbeiter genügend Handlungsspielraum?

Effektive Teams brauchen:

  • echte Geschäftsverantwortung,
  • die Autorität, funktionale Silos aufzubrechen,
  • einen starken Führungswillen und,
  • spezielle Budgets und Ressourcen.

8. Operiert Ihre IT mit zwei Geschwindigkeiten?

Es ist schwer, eine digitale Transformation mit einer überholten IT-Architektur zu bewerkstelligen. Achten Sie darauf, dass

  • die Integrität transaktionsbasierter Systeme mit sensitiven Daten gewährt bleiben muss.
  • es ein eigenes System gibt, das für eine grössere Beweglichkeit in den Kundenbeziehungen sorgt. So können neue Apps und Datenbanken ergänzt werden, ohne die zu Grunde liegenden Systeme für den übrigen Geschäftsbetrieb anzutasten.

9. Koordinieren Sie ein Massnahmenportfolio?

Eine digitale Transformation ist kein Einzelprojekt, sondern vielmehr ein Portfolio von Massnahmen, die zusammen für die grosse Veränderung sorgen:

  • Arbeiten Sie jede Massnahme genau aus und stellen Sie damit sicher, dass sich jede Massnahme in die allgemeine Geschäftsstrategie einfügt.
  • Priorisieren Sie die Massnahmen, ermitteln Sie die Abhängigkeiten und koordinieren Sie die finanziellen und personellen Ressourcen.

Ich bin überzeugt, dass Sie mit der Beantwortung der oben stehenden neun Fragen wertvolle Hinweise erhalten, wo in Ihrem Unternehmen die grössten Barrieren in Bezug auf die digitale Transformation liegen.

André Bally

André Bally

Partner

 andre.bally@valion.ch

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