«Die Anforderung haben wir schon lange platziert. Warum ist sie noch nicht umgesetzt?»

Kommt Ihnen diese Aussage bekannt vor? Viele Organisationen tun sich schwer damit, Anforderungen –  insbesondere bei Wartungs- und Weiterentwicklungsprojekten – konsequent und effizient voran zu treiben. Aus unserer Erfahrung heraus sind dafür meist folgende Punkte verantwortlich:

  • Die Fachabteilungen werden bei der Formulierung ihrer Anforderungen nicht unterstützt.
  • Der Anforderungsqualität wird zu wenig Beachtung geschenkt.
  • Der Anforderungsprozess wird nicht konsequent zu Ende geführt.
  • Das Anforderungsbacklog gleicht einer langen Liste, welche bei jeder Release-Vorbereitung wieder von vorne diskutiert wird – die Priorisierung ist unklar.
  • Die Anforderungsaufnahme und deren Abarbeitung werden als sequentielle Schritte innerhalb eines Releases verstanden.

Die Auswirkungen davon? Sie beschäftigen sich mehr mit Verwaltungs- und Klärungstätigkeiten, als dass Sie die Umsetzung zeitnah angehen können.

Gehen wir davon aus, dass Sie mit n Releases pro Kalenderjahr arbeiten und pro Release einen Stichtag für die Anforderungseingabe definiert haben, so ist folgendes Szenario durchaus denkbar:

Die Anforderungseingabe erfolgt nach dem Stichtag, insofern wird diese erst beim nächsten Redaktionsschluss berücksichtigt. Falls zu diesem Zeitpunkt eine noch ungenügende Reife festgestellt wird, führt dies zu einer weiteren Verzögerung.

Abbildung 1: Szenario einer verspäteten Anforderungseingabe bei einem linearen Prozess

Der Anforderungssteller wird sich, betrachtet man die zeitliche Dimension, zurecht beschweren. Doch die zeitliche Verspätung ist nur eine Folgeerscheinung mangelnder Qualität. Haben Sie sich in der Rolle des Anforderungsstellers schon einmal Gedanken dazu gemacht, wie viele Personen sich im Laufe der Zeit mit Ihrer Anforderung beschäftigen werden? Wäre es da nicht wünschenswert, wenn die notwendige Qualität möglichst früh sichergestellt werden könnte? Nun sie kann es. Dazu müssen Sie aber einige Regeln definieren:

  • Definieren Sie, wann der Anforderungsreifegrad für Ihre Organisation genügend ist, sodass Anforderungen mit dem kleinstmöglichen Anteil an Rückfragepotenzial in die Umsetzung übergeben werden können.
  • Trennen Sie das Anforderungsbacklog (Demand) vom Releasebacklog (Delivery) und stellen Sie organisatorisch sicher, dass die Überführung vom Demand ins Delivery geordnet geschieht.
  • Beziehen Sie in den einzelnen Prozessschritten nur so viele Personen mit ein wie unbedingt nötig.

Wenn Sie diese Regeln für sich ausformulieren und konsequent anwenden, werden Sie feststellen, dass Sie prinzipiell den Demand- und den Delivery-Vorgang zyklisch voneinander trennen können. Damit können Sie von einer sequentiellen Abarbeitung dieser beiden Teilprozesse in deren Parallelisierung übergehen. Dies führt einerseits dazu, dass Sie, über das Jahr hinweggesehen, eine gleichmässigere kapazitive Planung vornehmen können und andererseits, dass Sie ab dem zweiten Release schneller auf die Bedürfnisse Ihrer Nutzer reagieren können.

Abbildung 2: Übergang von einer sequentiellen in eine parallele Abarbeitung der Teilprozesse

Stehen Sie vor ähnlichen Herausforderungen im Requirements Engineering und der Business Analyse? Gerne diskutieren wir mit Ihnen mögliche Lösungsansätze und begleiten Sie auf dem Weg zur praktischen Umsetzung. Zögern Sie nicht uns zu kontaktieren. Wir freuen uns auf Sie!

André Bally

André Bally

Partner

andre.bally@valion.ch

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