Warum ein Business Case je Anforderung nicht zielführend ist

Ein betriebswirtschaftlicher Grundsatz besagt, dass zur Verfügung stehende Ressourcen effizient und sinnvoll eingesetzt werden müssen. Dies gilt auch für Entwicklungsressourcen. Um diese Regel im Bereich Requirements Management bzw. Software- und Produktentwicklung zu befolgen, müssen neue Ansprüche in Projekten oder dem laufenden Betrieb einer Kosten-Nutzen-Analyse unterzogen werden. Nur so kann sichergestellt werden, dass die wichtigen und richtigen Anforderungen durch die Entwickler umgesetzt werden.

Vor einem Vorhaben in Unternehmungen wird meist ein Business Case erstellt. Ein Business Case untersucht ein spezifisches Szenario bezüglich dessen Rentabilität. Er soll die Wirtschaftlichkeit sowie die Auswirkungen einer Investition aufzeigen. Geldgeber haben dadurch eine Entscheidungsgrundlage, um ihre Mittel sinnstiftend einzusetzen.

Die Herausforderung im Umfeld Entwicklungs- und Weiterentwicklungsprojekte besteht jedoch darin, dass die Bewertung der Anforderungen für den Business Case auf einem relativ abstrakten Level und noch vor dem eigentlichen Requirements Engineering, der inhaltlichen Formgebung, vorgenommen werden müsste. Die effektive Kosten- bzw. Aufwandschätzung und die Festlegung des absoluten Nutzenpotentials sind jedoch grundsätzlich Resultate aus dem Requirements Engineering-Prozess. Vorgängig zur Bearbeitung einer Anforderung sind daher kaum verlässliche Aussagen bezüglich Umsetzungsaufwand in Stunden und finanziellem Mehrwert möglich und bedingen ein entsprechendes Umdenken in der Art und Weise, wie Anforderungen in einem ersten Schritt bewertet und priorisiert werden.

Ein klassischer, umfangreicher Business Case scheint auf Grund der Scheingenauigkeit absoluter Schätzwerte bei noch unklarer Ausprägung der Anforderungen nicht die ideale Methode, um den Geldgebern aufzuzeigen, weshalb welche Idee oder Anforderung umgesetzt und vor anderen budgetiert werden soll.

 

Warum sich relative Schätzmethoden besser eignen

Um dem sich schnell wandelnden Umfeld mit ständig ändernden Rahmenbedingungen gerecht zu werden, bieten agile Vorgehensweisen gut geeignete Ansätze zur Beurteilung von Anforderungen. Häufig verwendete Methoden sind hierbei «Planning Poker» oder «Magic Estimation».

Bei beiden werden Kosten nicht absolut in Aufwand oder Zeitdauer geschätzt, sondern es wird die Komplexität einer Anforderung relativ zu anderen eingestuft. Ein klassisches Schätzen auf Zeitbasis generiert eine Scheingenauigkeit und führt dazu, dass besonders im Projektumfeld die Schätzung als verbindliche Terminzusage verstanden wird.

Ähnlich verhält es sich beim Nutzenpotential. Eine verlässliche Aussage über zukünftigen Nutzen in Form von Einsparungen oder zusätzlichem Umsatz ist kaum möglich. Projektteilnehmern fällt es wesentlich einfacher, den Mehrwert auf einer relativen Skala einzuordnen.

Als Skala verwenden die agilen Schätzmethoden meist die Fibonacci-Folge. Zur Visualisierung der Ergebnisse kann ein sogenannter «Magic Quadrant» verwendet werden. Dabei wird die jeweilige relative Bewertung auf den Achsen «Komplexität» und «Nutzen» eingetragen. Die Position im Quadrat erlaubt eine Aussage bezüglich Priorität.

Abbildung 1: Beispiel für die Visualisierung der Magic Estimation: «Magic Quadrant»

 

Die Anwendung einer agilen Schätzmethode zur Gegenüberstellung von der anfallenden Komplexität und dem erwarteten Nutzen vor der eigentlichen Spezifikation umgeht den hohen Aufwand und die Scheingenauigkeit eines klassischen Business Cases und führt zu einer effizienten Entscheidungsfindung, welche Anforderungen in welcher Priorität umzusetzen sind.

Orientieren Sie sich also an folgenden Punkten, um mit grosser Effizienz die wirklich wertstiftenden Anforderungen umzusetzen:

  • Befreien Sie sich von der Scheingenauigkeit absoluter Werte
  • Vertrauen Sie auf Ihr Fachwissen und auf relative Einschätzungen
  • Holen Sie den maximalen Business Value für das zur Verfügung stehende Budget heraus – steuern Sie Ihre Entwicklungsprojekte über das Gesamtbudget

 

Experten in Requirements Management und Engineering

Wir unterstützen Sie nebst der Aufnahme und Dokumentation Ihrer Anforderung selbstverständlich auch bei der vorgängigen Überprüfung der Kosten-Nutzen-Effizienz. Als Experten im Thema Requirements Management und Engineering bringen wir unser Wissen und unsere Erfahrung ein, um eine zuverlässige Bewertung und Priorisierung Ihrer Anforderungen vorzunehmen. Kontaktieren Sie uns vor Ihrem nächsten Projekt.

Welche weiterführenden Schätz- und Priorisierungsmethoden Sie im Prozess folgend anwenden können, erfahren Sie im nächsten Beitrag unserer Blogserie «Xperts in Requirements Engineering».

 

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Jean-Marc Riser

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