«Das Jahr 2017 entwickelt sich zum Jahr der API Economy» titeln im Netz Technologie- und Fachexperten. APIs sind das Zugangstor für den Datenaustausch und damit für das strategisch immer bedeutendere Online-Geschäft.

Aus technischer Sicht betrachtet erfüllen APIs im Grundsatz zwei Funktionen:

  • Als «Türsteher» kontrollieren und regeln sie erstens den Zugang zu Informationen,
  • zweitens stellen sie in der Funktion des «Übersetzers» sicher, dass Applikationen standardisiert untereinander kommunizieren können.

APIs sind somit «Vermittler» und ermöglichen, dass IT-Systeme Daten austauschen, indem sie auf Applikationen, Datenbanken und Informationen der Betriebssysteme zugreifen.

Weshalb sprechen wir jedoch von einer API Economy? Offensichtlich hat die Technologie weitgreifende Implikationen auf die Geschäftsaktivitäten von Unternehmen; eine Business-Welt ohne APIs ist nicht mehr denkbar. Ob wir über Trip Advisor den Hotel-Standort via Google Maps geolokalisieren, über eine Applikation ein Online-Check-In für den Flug vornehmen oder Uber für einen Taxi-Dienst kontaktieren – überall werden die Datenströme über APIs gelenkt. Deren Bedeutung hat sich mit der Verbreitung von Apps und der Nutzung von Daten vernetzter Gebrauchsgegenstände (IoT) noch wesentlich erhöht. So kommt es, dass APIs sich zu einem strategischen Asset von Unternehmen entwickelt haben.

Wir stellen zusammenfassend fest, dass API Management eine typische Digitalisierungsfragestellung ist, die Business und IT gleichermassen tangiert: Das «Business» ist an neuen Geschäftsmöglichkeiten interessiert, die IT hingegen am optimalen Management der IT-Komponenten. Ein nicht mit Anspruch auf Vollständigkeit zusammengestelltes Bild von Anspruchsgruppen zeigt auf, dass demzufolge auch eine extrem heterogene Rollengruppe von der API-Thematik betroffen ist (vgl. untenstehende Abbildung).

Abbildung 1: API Management betrifft einen breiten Stakeholderkreis

 

Interessant ist bezüglich Schlagkraft des Konzepts die Frage, wie homogen der Begriff «API Management» in der Praxis interpretiert wird. Aus der Umsetzung von Strategien wissen wir, dass nur diejenigen Unternehmen das Potential der Technologie im Sinne des Aufbaus von Wettbewerbsvorteilen ausschöpfen, die Klarheit und ein einheitliches Verständnis zur API Terminologie innerhalb einer Firma sicherstellen. Hierzu finden wir ein eher ernüchterndes Bild in der betrieblichen Praxis vor: Unklar geregelte Zuständigkeiten führen zu bedeutenden Ineffizienzen und Wirkungsverlusten.

In einer Studie über den Einsatz von APIs wird berichtet, dass über 50% der Firmen einräumen, bei einer oder mehreren Kernapplikationen unkontrolliert Daten mit der Aussenwelt auszutauschen. Fast alle Unternehmen geben an, dass trotz des Einsatzes von APIs keine umfassende Steuerung und Kontrolle des Datenaustauschs stattfindet. Die Abstimmung bezüglich strategischer Relevanz von APIs fehlt weitestgehend.

Vor diesem Hintergrund identifizieren wir die folgenden drei Handlungsempfehlungen:

 

1.) Verbreiten Sie die Erkenntnis, dass API Management einer «Shared Vision» von Business und IT bedarf

Da APIs im Grundsatz keine eigentliche technologische Innovation darstellen und technisch relativ einfach beherrschbar sind, liegt die Hauptherausforderung eines erfolgreichen Einsatzes von APIs im erfolgreichen Zusammenspiel zwischen Business und IT.

Damit das Zusammenspiel unter den Beteiligten im Unternehmen funktioniert, braucht es eine gemeinsame begriffliche Basis. Nur mit einem einheitlichen Verständnis zum Konzept API – wenn alle Beteiligten die Bedeutung, den Einsatzbereich, die Governance-Regeln und die Verantwortlichkeiten kennen und teilen – sind die Grundlagen für das Ausschöpfen von Wettbewerbsvorteilen gegeben.

Die begriffliche Basis muss dabei die Zusammenarbeit und die Rollenklärung regeln und vereinfachen. Diesem Aspekt wurde bis anhin keine Bedeutung beigemessen. Trotz der Erkenntnis, dass API Management Business und IT verbinden muss, sind die vorherrschenden Begriffe rein auf eine technische Implementierung ausgerichtet und verhindern eine wertstiftende Business-IT-Kollaboration. Die API-Umsetzungswelle begibt sich damit in eine Sackgasse (vgl. untenstehende Abbildung).

Abbildung 2: Reduktion von API Management auf Technologie führt in eine Sackgasse

 

2.) Verankern Sie im Unternehmen die Überzeugung, dass API Management immer Strategie, Struktur und Technologie tangiert

Ein zweckmässiges Begriffsverständnis von API Management muss gemäss unserer Erfahrung die Aspekte «Strategie und Kultur», «Prozesse und Organisation» sowie «Technologie» berücksichtigen und damit eine klare Aufteilung der Verantwortlichkeiten sicherstellen: Business und IT müssen im gleichberechtigten Dialog das strategische Thema API Management vorantreiben. Dabei muss die Beantwortung der Frage «Was ist über APIs abzudecken», durch das Business getrieben werden. Das «Wie» im Sinne der Architektur und der Umsetzung hingegen muss im Lead der IT konkretisiert werden (vgl. Abbildung 3).

Abbildung 3: API Management betrifft Strategie, Struktur und Technologie

 

3.) Differenzieren Sie zwischen dem Begriffspaar «API Management» und «API Lifecycle Management»

Unsere Erfahrung zeigt, dass die höchste Wirkung mit einem begrifflichen Framework erzielt wird, welches zwischen den Termini «API Management» und «API Lifecycle Management» differenziert.

Auf einer konzeptionellen Ebene ist die Frage zu regeln, wie mit dem Einsatz der API Technologie Mehrwert für das Business generiert wird. Hierzu ist aufgrund unserer Erfahrung notwendig, Vorgaben zum Geschäftsmodell und zu den über APIs abzudeckenden Funktionen zu entwickeln sowie ein API-Portfolio vorzugeben. Zusätzlich sind die Prozesse und Gefässe zu definieren, wie die Fragen im Unternehmen erarbeitet und entschieden werden. Hierfür setzen wir den Begriff «API Management» ein.

Auf der Ebene IT-Architektur, Entwicklung und Betrieb ist festzulegen, wie die benötigten Funktionen technisch umgesetzt, wie die Orchestrierung von APIs gehandhabt und Echtzeit-Integration in einer sicheren, skalierbaren IT-Umgebung sichergestellt wird. Diese Funktionen fassen wir im Begriff «API Lifecycle Management» zusammen.

Eine grafische Darstellung unseres Begriffs-Frameworks ist in der untenstehenden Abbildung wiedergegeben (vgl. Abbildung 4).

Abbildung 4: Valion API Begriffs-Framework

 

Unsere Erkenntnisse

Vor dem Hintergrund des Business-Potentials der API Technologie lohnt es sich, Aufklärungsarbeit in Unternehmen zu leisten und damit den Dialog zwischen Business und IT über Rollen, respektive Verantwortlichkeiten, zum Thema zu führen. Die Diskussion muss dabei derart geführt werden, dass ein durchgängiges Verständnis von Strategie bis und mit Implementierung entsteht. Die Basis hierfür ist ein Diskurs auf Augenhöhe, die weder durch das Business, noch durch die IT diktiert wird. Als Grundsatz empfehlen wir, folgende allgemeingültige Kommunikationsmaxime auch für die Thematik API Management anzuwenden: «We are in the age of social media, we need to have conversations, not just an outward broadcast of information.»

Der vorgestellte Approach, der Business und IT synergistisch zusammenwirken lässt, befähigt jedes Unternehmen, das Konzept API Management erfolgreich umzusetzen und damit die Umsetzung von Wettbewerbsvorteilen zu realisieren. Es versteht sich von selbst, dass ein fehlendes Alignment implizit zu einem Wirkungsverlust führt und die API Initiativen damit keine Wirkung entfalten können.

Dr. Marco Brogini

Dr. Marco Brogini

Senior Partner

 marco.brogini@valion.ch

André Bally

André Bally

Partner

 andre.bally@valion.ch

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