Im vorangehenden Beitrag der Serie «Xperts in Projektmanagement» drehte sich alles um die Kompetenzen, die ein Team mitbringen muss, um agiles Projektmanagement betreiben zu können. Wir werden hier gleich den Faden wiederaufnehmen und uns damit auseinandersetzen, welche Faktoren und Kriterien für die Wahl der idealen Projektmanagementmethodik zur erfolgreichen Abwicklung des eigenen Projektes entscheidend sind. Denn noch bevor die inhaltliche Konzeption beginnt, steht man vor einer für das Projekt entscheidenden Frage: Mit welcher Vorgehensweise ist vor dem Hintergrund der spezifischen Herausforderungen und Situation des Unternehmens eine erfolgreiche Projektdurchführung am schnellsten und effizientesten zu realisieren?

Um entscheiden zu können, ob eine klassische oder agile Projektmanagement-Methode für die Durchführung eines Projekts zielführend ist, ist eine Auseinandersetzung mit den verschiedenen Ansätzen notwendig. Auf der einen Seite steht das klassische Projektmanagement, für welches eine strikte Planung und Durchführung charakteristisch ist. Wir vergleichen diese Projektmanagement-Methode mit dem Tennisspieler Björn Borg, welcher dafür bekannt war, seine Matches minutiös zu planen und nichts dem Zufall zu überlassen. Auf der anderen Seite des Felds steht John McEnroe, der grösste Widersacher Borgs. Er verkörpert in unserem Fall das agile Projektmanagement, indem er als impulsiver, rebellischer Spieler auftritt: Er lässt sich nicht in ein Raster stecken und reagiert flexibel auf sich verändernde Situationen.

Im klassischen Projektmanagement nehmen die Stakeholder zu Beginn des Projekts einen relativ hohen Einfluss. Bei Fortschreiten des Projekts nimmt der Einfluss jedoch ab. Infolgedessen werden die Anforderungen zu Beginn des Projekts nahezu komplett ausgearbeitet und, wenn möglich, nicht mehr angepasst. Denn im klassischen Projektmanagement wird davon ausgegangen, dass Änderungen am Projektauftrag umso teurer werden, je später diese im Projekt umgesetzt werden müssen. Daher ist im sogenannten Zieldreieck (siehe Abbildung), welches die zentralen Inhalte im Projektmanagement in Relation zueinander stellt, der «Umfang» eine fixe Konstante, an der bevorzugt kaum etwas geändert wird. Dafür werden an der Zeit oder notfalls am Aufwand Anpassungen vorgenommen.

Methode

Abbildung 1: Zieldreieck im klassischen und agilen Projektmanagement

 

Im agilen Projektmanagement hingegen ist es besonders wichtig, dass die Stakeholder über die gesamte Projektdauer Einfluss auf die Anforderungen nehmen können. Dadurch bleiben die Kosten für Änderungen über die Projektdauer nahezu konstant. Hier ist der Umfang die variable Komponente und dadurch Anpassungen im Projektverlauf unterworfen. An der Zeit wird meist nichts verändert, denn die Termintreue ist das höchste Gebot im agilen Projektmanagement.

Daraus lassen sich Eigenschaften ableiten, anhand welcher eine Einschätzung getroffen werden kann, ob eher eine klassische oder agile Projektmanagement-Methode sinnvoll ist:

Methode

Es gilt zu beachten, dass nicht nur die Eigenschaften des Projekts selbst die Wahl der Methode beeinflussen, sondern auch die Kultur im Unternehmen. Wie wir im vorhergehenden Blogbeitrag erfahren haben, muss beim agilen Projektmanagement im Unternehmen zuerst die Kultur «agil» etabliert sein und die Teammitglieder sollen hohe Kommunikationskompetenzen mitbringen, welche die Basis für die Selbstorganisation im Team darstellen. Noch grössere Auswirkungen als die Wahl der Projektmethode hat eine Projektmethode, die nicht konsequent in allen Aspekten des Projekts angewendet und gelebt wird. Ohne diese Konsequenz gehen die Vorteile jeder Methode verloren.

Wie der agile Ansatz im Alltag angewendet werden kann und nach welchen Grundsätzen vorgegangen wird, erfahren Sie in unserem nächsten Blogbeitrag.

 

Xperts in Projektmanagement

v.l.n.r.: Nicole Steiner (Consultant), Charlotte Bachmann (Senior Technical Consultant), Romy Schnyder (Projektleiter), Regula Roth (Consultant), Martina Auf der Maur (Mitarbeiterin Administration), Corinne Maurer (Partner)

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