Brig-Glis. Die EnBAG liess von einem Experten ihre Strukturen und Prozesse analysieren. Der Bericht dient einer Schärfung der Strategie und Überprüfung operativer Abläufe.

Im agilen Energiemarkt bestehen für Produktion, Handel und Transport verschiedenste Herausforderungen. Ihre Bewirtschaftung erschwert sich etwa durch ungeklärte politische Parameter bezüglich Umsetzung der Energiestrategie 2050. Umso mehr haben sich die Elektrizitätsunternehmungen fit zu halten, um auf Veränderungen und Entwicklungen reagieren zu können. Aktuell absehbar sind diese in den Bereichen Wasserzinsen, totale Strommarktöffnung und zeitlich begrenzte finanzielle Unterstützung der erneuerbaren Energien. Das vom Bundesrat angekündigte „Strommarktdesign“ wird die Themen weiter prägen.

Die EnBAG ist sich ihrer Verantwortung als bedeutsamer regionaler Energiedienstleister in diesem fordernden Umfeld bewusst. Der Verwaltungsrat hat deshalb den Energiewirtschaftsexperten Martin Gredig (Chur) letzten Sommer mit einer Analyse der strukturellen, operationellen, finanziellen und rechtlichen Aspekte der Unternehmung beauftragt. Begünstigt wurde diese Expertise auch durch die offene Kritik der scheidenden Verwaltungsräte Martin Bodenmann und Beat Mutter an der GV 2017.

„Schwachpunkte sollen einer Klärung zugeführt werden“. Beat Britsch, VR-Vizepräsident EnBAG

Gredigs Ergebnisse wurden dem Verwaltungsrat im Dezember präsentiert. Seither erfolgte die schriftliche Information der Aktionäre und bereits die Kickoff-Sitzung zum Strategieentwicklungsprozess zwischen VR und Direktion mit dem Ziel, bis zur GV am 25. Mai 2018 erste Ergebnisse präsentieren zu können. Bis zum Herbst soll dann in einem Massnahmenplan definiert sein, was von den Empfehlungen und Vorschlägen des Experten wie umgesetzt wird. „Der Erfolg unserer Unternehmung hängt von der Marktkonformität unserer Produkte und Strukturen ab“, sagt VR-Vizepräsident Beat Britsch. Er ist im Verwaltungsrat verantwortlich für die Koordination der Expertise. VR-Präsident Renato Kronig setzt dieser Marktkonformität eine Klärung der Strategie voraus. Dabei gehe es auch darum, sich in Partnerschaften mit einzudenken, etwa jene der Strategie der Walliser Elektrizitätsgesellschaft, die sich, obwohl gut zehnmal grösser, letztlich mit den gleichen Positionierungsfragen auseinanderzusetzen hat.

Wichtig sei für die EnBAG jetzt, mit einer offenen Strategie-Diskussion die Unternehmung in eine gesicherte Zukunft zu führen. „Wir wollen am Markt bestehen“, sagt Kronig. Die Entwicklung einer geschärften Strategie soll im Austausch zwischen Verwaltungsrat und Direktion geschehen, unterstützt durch eine professionelle externe Begleitung, der Valion AG.

 

„Keinerlei Verfehlungen“
Prioritär ist für VRP Kronig in der Zusammenfassung des 20-seitigen Dokumentes von Gredig, „dass keinerlei Verfehlungen aufgezeigt wurden“. Entsprechende Vorwürfe standen an der letztjährigen GV im Raum. „Erkannte Schwachpunkte sollen nun überprüft und einer Klärung zugeführt werden“, sagte Britsch. Das betrifft sowohl strategische wie operative Fragen. Laut Gredig ist Verbesserungspotenzial vorhanden. Es liege nun am Verwaltungsrat, eine Priorisierung vorzunehmen. „Sicher ist, dass man den Bär nicht waschen kann, ohne dass er nass wird.“

Anerkannt wurde vom Experten die Zusammenarbeits-Vereinbarung (ZAV) zwischen der EnBAG-Gruppe und den Vertragsgemeinden. Gredig sieht darin eine solide Unternehmens-Grundlage für den „Public-Private-Partnership“. Das Solitaritätsprinzip unter den Gemeinden sorge für einen fairen Ausgleich und gelte als Kern der Vereinbarung. Am Grundsatz „alle beziehen den Strom zu den gleichen Bedingungen“ soll festgehalten werden. Die Vorgabe im Leitbild, im Versorgungsgebiet für Privathaushalte wie Betriebe günstigen Strom zu liefern, bleibt Ziel. Die EnBAG bedient ihre Kunden im schweizerischen Vergleich zu günstigen, marktkonformen Preisen.

Die Privataktionäre sind an die gemischtwirtschaftliche Ausrichtung der EnBAG im Sinn und Geist des ZAV gebunden, obwohl sie selber nicht Vertragspartner sind. Diese Vereinbarung schreibt einen Richtwert für die Dividendenhöhe vor. Der Verwaltungsrat prüft nun einen Aktiensplit, um den Aktienhandel attraktiver zu gestalten.

„Wir wollen die Zukunft sichern und am Markt bestehen“. Renato Kronig, VR-Präsident EnBAG

Gredig kommt in seiner Analyse zum Schluss, dass Organisation und Strukturen der EnBAG-Gruppe „zeitgemäss, aber aufwendig“ sind. Das hat mit den verschiedenen Rechtseinheiten und Subunternehmen zu tun. Eines der Ziele des VR ist deshalb, die Gruppe schlanker und effizienter zu gestalten. Das betrifft auch das Finanz- und Rechnungswesen. Dieses wird laut Gredig den heutigen Anforderungen als Führungs- und Steuerungsintrument zwar gerecht, kann bezüglich Finanzreporting und Risikomanagement jedoch optimiert werden. Weil die heutige Unternehmens-Struktur umfangreiche Verrechnungen und Finanzströme zur Folge hat, werden an die Transparenz höhere Ansprüche gestellt. Digitale Lösungen dürften in diesem Bereich gemäss Empfehlung des Experten neue Chancen zur Ausschöpfung von Synergiepotenzialen und Risikoanalysen bieten.

 

Die EnBAG versorgt als Elektrizitätsunternehmung die Oberwalliser Bezirke Brig, Östlich Raron und Teile des Goms mit Strom. Ihr Aktionariat ist zu je 50 Prozent im Privatbesitz sowie der Vertragsgemeinden. Als oberstes Ziel gilt im Sinne des Service public die sichere und preiswerte Stromversorgung der Bewohner und Betriebe in der Vertriebsregion. Die Führung erfolgt nach privatwirtschaftlichen Grundsätzen. 2016 wurde eine Eigenproduktion von 93.2 Gigawattstunden erzielt. Die Erfolgsrechnung schloss mit einem Ertrag von 10.642 Millionen Franken. Die EnBAG zahlte ihren Aktionären in den letzten Jahren jeweils eine Dividende von zwölf Prozent. Der Verwaltungsrat wird von Renato Kronig präsidiert, die Direktion leitet Dr. Hans-Peter Burgener.

 

Quelle: Walliser Bote, Ausgabe vom 25.01.2018, Seite 6

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