Die zunehmende Geschwindigkeit des wirtschaftlichen Wandels, vorangetrieben durch die Digitalisierung, führt dazu, dass laut S&P 75% der aktuellen Top 500 Unternehmen in den kommenden sieben Jahren nicht mehr als unabhängige Einheit existieren werden. Dieser Bedeutung der Digitalisierung sind sich betriebliche Verantwortungsträger zunehmend bewusst. Im Jahre 2016 sahen IT-Verantwortungsträger lediglich 27% der zukünftigen Business-Opportunitäten in Verbindung mit digitalen Geschäftsmodellen und erwarteten lediglich einen leichten Anstieg bis ins Jahre 2019. Im Jahre 2017 umfassten digitale Business-Opportunitäten bereits 30% und die Schätzung bis ins Jahre 2020 liegt inzwischen bei 40%. Dieses Bewusstsein spiegelt sich auch im Investitionsverhalten der Unternehmen wider. So werden kommendes Jahr voraussichtlich weltweit über zwei Trillionen USD in digitale Geschäftsmodelle investiert, 40% aller Ausgaben im Technologiebereich.

Unternehmen, die sich heute nicht im Sinne der Digitalisierung weiterentwickeln, werden in den kommenden Jahren aller Wahrscheinlichkeit nach durch agilere Unternehmen überholt werden. Damit einher geht grosser potenzieller Umsatzrückgang. Die folgende Abbildung zeigt auf, dass Unternehmen, die sich nicht in Richtung digitaler Geschäftsmodelle weiterentwickeln, Marktanteile verlieren und von mutigeren und/oder neuen Akteuren überholt werden.

Abbildung 1: Verlust von Marktanteil durch neue digitale Geschäftsmodelle (Bughin et al., 2018).

 

Tatsächlich sind viele der weltweit dynamischsten und wertvollsten Unternehmen wie Google und Amazon Vorreiter im Angebot digitaler Dienstleistungen. Apple, das entsprechend seiner Marktkapitalisierung bedeutendste Unternehmen weltweit, hat es verstanden, seine Produkte durch ein Ökosystem verschiedener digitaler Anwendungen und Unternehmenspartnerschaften auf höchst funktionelle Weise zu verbinden. Durch die Erfindung des iPod und der Streaming-Technologie wurden herkömmliche Tonträger innert weniger Jahren zu grossen Teilen verdrängt. Apple’s Musikstreaming-Dienst ist dank dem Betriebssystem iOS nicht nur kompatibel mit allen Apple Geräten wie iPhone, iWatch, Mac und AirPods, sondern legte ebenfalls das Fundament für die 40 Millionen Nutzer umfassende Musikplattform «Apple Music».

 

Wie ist es Apple gelungen, die Art und Weise, wie wir Musik hören, derart zu revolutionieren? Die folgenden Handlungsempfehlungen – in Anlehnung an die Arbeiten von Bughin et al. (2018) „Why Digital Strategies Fail“ – geben Ihnen Antworten auf diese Frage und zeigen auf, welche Leitlinien Sie beim Aufbau digitaler Geschäftsmodelle beachten sollten:

 

  • Fürchten Sie die möglichen Konsequenzen der Digitalisierung

Unternehmen mit erfolgreichen digitalen Geschäftsmodellen fürchten die möglichen Negativkonsequenzen der Digitalisierung für die eigene Marktstellung und gehen folglich in die (digitale) Offensive.

 

  • Fokussieren Sie sich auf das gesamte Spektrum möglicher Konkurrenz

Ein übersteigerter Fokus auf die «üblichen Verdächtigen», das heisst in der Regel auf Start-ups, führt zur Vernachlässigung der etablierten Konkurrenz. Etablierte Unternehmen verfügen für gewöhnlich über ein beträchtliches Know-how, Netzwerk und finanzielle Ressourcen, was eine erfolgreiche digitale Transformation klar begünstig.

 

  • Definieren Sie Digitalisierung

Eine schwammige Definition der Digitalisierung erschwert die Verbindung zwischen Digitalisierungsgrundsätzen und dem Kerngeschäft. Wir verstehen Digitalisierung als die unmittelbare, kosteneffiziente und effektive Fähigkeit, Menschen, Technologie und Produkte bzw. Services online zu verbinden.

 

  • Verstehen Sie die digitale Wirtschaft

Digitalisierung bedeutet, dass mehr Wert für Konsumenten als für Unternehmen generiert wird, digitale Dienstleistungen mit minimalem Aufwand repliziert werden können und die Digitalisierung eine «the winner takes all» Wirtschaft fördert.

 

  • Nutzen Sie das Potential wirtschaftlicher Ökosysteme

Viele Unternehmen sind sich der Bedeutung wirtschaftlicher Ökosysteme noch nicht bewusst und verspielen damit einen beträchtlichen Teil der Business-Opportunitäten, die eine digitale Transformation mit sich bringt.

 

  • Vertreiben Sie über eine nachfrageorientierte Plattform

Digitale Inventoren priorisieren die Verwendung einer nachfrageorientierten Plattform und haben somit nicht nur Zugang zu einem (limitierten) Kundenkreis, sondern einem potentiell uneingeschränkten Netzwerk möglicher Kunden.

 

  • Digitalisieren Sie nicht bloss neue, sondern auch bestehende Geschäftsmodelle

Die Missachtung der Dualität der Digitalisierung führt dazu, dass sich Unternehmen auf die Entwicklung innovativer Geschäftsmodelle konzentrieren, und dabei die notwendige Digitalisierung bestehender Geschäftsmodelle vernachlässigen.

 

  • Vermeiden Sie typische Denkfehler

Im Kontext der digitalen Transformation begehen wirtschaftliche Entscheidungsträger oft den Denkfehler, dass sie sich von dem Lärm um die Digitalisierung dazu verleiten lassen, mit einem unausgereiften digitalen Geschäftsmodell an den Markt zu gehen, oder getätigte Investitionen bei Negativfeedbacks intensivieren, anstatt ihr digitales Geschäftsmodell zu hinterfragen.

 

  • Sichern Sie den Support des Top-Managements

Der Support durch das Top-Management ist ein Schlüsselelement für die erfolgreiche Umsetzung digitaler Initiativen. Ist dieser Support nicht vorhanden, werden ihn vermutlich auch das mittlere Management und die Angestellten nicht aufbringen.

 

  • Experimentieren Sie mit einer Vielzahl an Technologien

Digitalisierung ist abhängig von einer Bandbreite an Technologien, die in eine digitale Architektur integriert werden. Dies erfordert das Experimentieren mit unterschiedlichen Technologien, sowie deren bestmöglichen Kombination.

 

In einem folgenden Blogbeitrag der Valion erfahren Sie, wie wir diese Handlungsempfehlungen in der Praxis einsetzen und die AMAG bei der Konzeption, Entwicklung und Aufbau des «Innovation & Ventures LAB» begleitet haben. Das AMAG LAB ist eine eigenständige Business Unit mit der Vision, seinen Kunden zu ermöglichen, in der ganzen Schweiz mobil zu sein und dabei vernetzt und einfach jederzeit das optimale Verkehrsmittel am richtigen Ort zur Verfügung zu haben.

 

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Jan Richner

Jan Richner

Senior Consultant

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Thomas Schaffner

Thomas Schaffner

Partner

 thomas.schaffner@valion.ch

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