Das Platzen der Dotcom-Blase ist jetzt 20 Jahre her. Nicholas Carrs kontroverse These aus seinem Artikel «IT Doesn’t Matter» in der Harvard Business Review (2003) wurde über die Wirtschaftswissenschaften hinaus diskutiert. Jedoch bewahrheitet hat sie sich bisher nicht. In der Informationstechnologie haben wir die Stufe der Standardisierung nicht erreicht, wonach die Auswahl einer Technologie oder Methodik zur Umsetzung eine untergeordnete Rolle für die IT als Enabler des Business spielt. Studien zeigen, dass 50–70% der IT Projekte länger als geplant dauern und/oder das Budget übersteigen. Die Ursachen sind ungenaue Zielsetzung und Abnahmeprozesse, das Nicht-Involvieren aller benötigten Stakeholder oder mangelnde Flexibilität in der Organisation.

In den letzten Jahren haben sich flexible und agile Vorgehensweisen wie z.B. Scrum oder SAFe bewährt und etabliert, um mehr Licht in das Dunkle der Umsetzung von IT-Projekten zu bringen. Inzwischen sind diese Konzepte so weit entwickelt, dass sie ausserhalb der Informationstechnologie, beispielsweise in Innovationsprojekten, Anklang finden.

 

Wie können Unternehmen den Sprung in die digitale Welt erfolgreich schaffen?

Digitale Transformation bezieht sich nicht nur auf die Umstellung von analog auf digital oder der Erneuerung bereits digitalisierter Mittel. Vielmehr ist es ein umfassender Wandel, bei dem jeder involviert werden muss. Es können Kosten gesenkt, Umsätze erhöht sowie Kunden gewonnen und gebunden werden. Doch die Möglichkeit ist Risiko und Chance zugleich.

Für die digitale Transformation ist eine Strategie und ein optimales Mindset aller Mitarbeitenden erforderlich. Darum haben wir für Sie fünf Handlungsempfehlungen zusammengestellt, um die Richtung zu bestimmen und den Weg zu einer erfolgreichen Transformation zu ebnen.

Digitale Transformation

1. Das passende Mindset

Digitale Transformation beginnt im Kopf und erfordert ein umfassendes Umdenken im Unternehmen. Die neue Betrachtungsweise beginnt mit dem Selbstverständnis des Unternehmens. Die Aussage «Warum etwas Neues, wenn es bisher funktionierte?» ist überholt. Oder der Glaubenssatz «Never change a running system» stimmt nur bedingt. Die Vorteile der Digitalisierung werden hervorgehoben und als Vorbild gelebt. Denn der Mitarbeitende muss das Bewusstsein entwickeln, dass stetige Veränderungen im täglichen, wie auch im langfristigen Dasein der Arbeitswelt des digitalen Zeitalters gehören.

Digitale Transformation

2. Positive Fehlerkultur entwickeln

Die Unternehmenskultur ist hier der entscheidende Faktor. Dass aus Fehlern gelernt werden kann, ist trivial, aber nicht immer einfach. Fehler dürfen nicht als Verurteilung aufgefasst und ausgeteilt werden. In hektischen Phasen kann dies den Fokus weg von den wesentlichen Zielen führen. Dies hätte zur Folge, dass die notwendige Zusammenarbeit der Beteiligten blockiert würde und die erforderliche Innovation und Kreativität hemmt, um neue Lösungen zu finden. Daher ist dem Wandel von einer negativen Schuldkultur zu einer positiven Fehlerkultur in der digitalen Transformation besonders Wert zu legen.

Digitale Transformation

3. Innovative Ideen fördern

Der einzelne Mitarbeitende darf nicht unterschätzt werden, wenn es um Ideen und Verbesserungen in der Digitalisierung geht. Schliesslich beschäftigt er sich tagtäglich mit seiner Arbeit und kennt sie besser als andere. Somit müssen die Ideen abgeholt werden, sei es mit Anerkennung oder Belohnung; dies steigert die Motivation. Adobe geht mit der Kickbox einen Schritt weiter: Jeder Mitarbeitende erhält eine rote Box mit einem 6-Punkteplan und einer Debitkarte mit USD 1000. Der Punkteplan dient als Anleitung für die Aufbereitung einer Idee bis zur Präsentation, die Debitkarte hingegen deckt die Hilfsmittel der Präsentation. Wird der Antrag angenommen, bekommt der Mitarbeitende eine blaue Box und arbeitet weiter daran.

Digitale Transformation

4. Prototyp vs. Pretotyp

Ein Prototyp ist in vielen Projekten als Vorläufer der Umsetzung sehr effektiv oder unumgänglich. Dennoch kann die Entwicklung eines Prototyps aufwändig sein und in die falsche Richtung führen. Deshalb ist ein Pretotyp, als Vorabversion eines Prototyps ein willkommener erster Schritt, die Idee in einem Team oder fachübergreifend zu demonstrieren. «Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte» behält seine Gültigkeit in der digitalen Welt.

Digitale Transformation

5. Die Wahl der Technologie

Eine weitere Herausforderung ist es, die geeignete Technologie zu eruieren. Im Rahmen der technologischen Entwicklung existieren gefühlt unendlich viele Technologien und Produkte. Liquide und flexible Systeme werden mit APIs und Microservices realisiert und mit Docker und Containern dynamisch bereitgestellt. Neue Datenzusammenhänge können mit Graph SQL extrahiert werden. Woran kann sich ein Unternehmen orientieren? Die Antwort auf die Frage richtet sich nach dem Kunden: „Customer Centricity“ lautet hier das Stichwort. Der Markt selbst unterliegt einem stetigen Wandel und im digitalen Zeitalter müssen die Unternehmen schnell und kundenorientiert handeln. Daher ist es nie die Technologie, die den Start einer digitalen Transformation einleitet, sondern die kundenzentrierte Lösung.

Fazit

Digitale Transformation ist kein abschliessender Prozess. Vielmehr ist es ein Gewöhnen an den ständigen Wandel und der Bereitschaft, Veränderungen anzugehen und achtsam zu verfolgen. API Management, als Management der Schnittstellen zwischen Systemen und Konsumenten zu verstehen, ist zu einem kritischen Erfolgs- und Risikofaktor geworden. Es ist die Schlüsselkomponente der Vernetzung – um in der digitalen Welt zu kommunizieren und zu agieren, in der sich Kundenbedürfnisse rasch ändern.

Nur mit einer ganzheitlichen Sicht auf die Wechselwirkungen zwischen dem Business und der Informationstechnologie, und wenn wir dauerhaft flexibel, schnell und innovativ handeln, gelingt uns auch der Sprung in die nächste Ära der Digitalisierung.

Haben Sie Interesse daran, noch mehr über die Digitale Transformation zu erfahren? In unserem Blog finden Sie zahlreiche Artikel zu diesem und weiteren spannenden Themen.

David Winkler

David Winkler

Senior Technical Consultant

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